32. Jahrgang 2010

Jahresprogramm

Der 32. Jahrgang von „Meisterinterpreten im Gespräch“ wird am Sonntag, dem 17. Januar 2010, 16.00 Uhr mit einem Gastspiel aus Bulgarien eröffnet. Ein Gipfelwerk der Weltmusikliteratur soll den Gipfelpunkt der Konzertreihe markieren: Verdis „Messa da Requiem“, seine gewissermaßen in den Konzertsaal verpflanzte 25. Oper (ohne regieliche Veränderung), das reichste, reifste, erschütterndste Requiem überhaupt, welches den liturgischen Rahmen sprengt. Dramatische Energie, Charakter, weitschwingende vokale Pracht und romantische Orchesterglut werden erwartet von achtzig Solisten, Choristen und Orchestermusikern der Verdi-Oper Russe. Das Ensemble von der Staatsoper an der Donau geht unter Slawil Dimitrow auf Mitteleuropa-Tournee und macht im Kulturzentrum freundlicherweise Sonderkonditionen möglich.

Das Reise-Ensemble der Verdi-Oper Russe vorm Theater


Das Jahr 2010 wird im Musikleben weitgehend geprägt sein von den Komponisten Robert Schumann (1810 – 1856) und
Frédéric Chopin (1810 – 1849). Chopins sensible und leidenschaftliche Musik soll in den Genres ergänzend interpretiert werden, welche in Dippoldiswalde bisher unberücksichtigt blieben. Am Sonntag, dem 28. Februar 2010, 16.00 Uhr gibt es ein Wiedersehen mit der polnisch-deutschen Chopin-Preisträgerin Elza Kolodin. Die langjährige Freiburger Klavierprofessorin wird mehr als Brillanz demonstrieren, denn die Mazurken spiegeln viel vom Wesen Chopins, umspannen kompositorisch sein Leben. Außerdem erklingen seine Walzer, die Glanz wie vornehme Distanz der Salon-Impression zu vermitteln vermögen.
Schirmherr Dr. Benedikt Holtbernd (Semperoper) wird Frédéric Chopin würdigen.


Die dritte Veranstaltung am Sonntag, dem 28. März 2010, 16.00 Uhr präsentiert fünf Solisten aus Israel, Rußland, Tschechien und Deutschland als Klavierquintett. Primus inter pares: der Konzertmeister des Israel Philharmonic Orchestra, Ilja Konowalow. Auf dem Programm werden auf Wunsch Werke von Schumann, Brahms und Dvořák stehen.


Das Publikum von „Meisterinterpreten im Gespräch“ erwartet am Sonntag, dem 25. April 2010, 19.30 Uhr eine Novität: die Neugründung eines klassischen Salonorchesters durch Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden aus Anlaß der vor 25 Jahren erfolgten Wiedereröffnung der Semperoper. Auf klassisch-romantischen Instrumentarium werden nicht nur bekannte Melodien vorgestellt, sondern auch anscheinend vergessene, wertvolle Opernmusik. Entsprechend der Berliner Besetzung wird erstmals auch ein Harmonium in Dippoldiswaldes Konzertreihe zum Einsatz kommen. Die Leitung von „Fantastica opera instrumentale“ übernimmt Kapellmeister Johannes Wulff-Woesten (Semperoper).

Mitglieder des zu gründenden Kammerensembles der Staatskapelle


Das für diverse Aufgaben des Musikvereins so eminent bedeutsam gewordene Benefizkonzert gestaltet am Sonntag,
dem 2. Mai 2010, 16.00 Uhr
zum zweiten Male Professor Arkadi Zenzipér mit Studenten und Absolventen seiner Klavierklasse der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ Dresden. Vorgesehen ist die Darbietung von Werken Mozarts, Schumanns, Prokofjews und anderen. Es werden Spenden erbeten.

Der Meister und seine Klavierstudenten


Am Sonnabend, dem 12. Juni 2010, 19.30 Uhr wird zum dritten Male die Brasilianerin Eliane Rodrigues zu Gast sein. Die Amsterdamer Professorin, auch als Komponistin hervorgetreten, wird im Chopinjahr in Dippoldiswalde noch nicht erklungene Nocturnes vom Meister des klavieristischen Belcantos, Frédéric Chopin, der ein Virtuose in den Pariser Salons war und längere Zeit vor allem mit den „Nachtstücken“ identifiziert wurde, darbieten.


Nach der Sommerpause findet der Endausscheid des „Competizione dell’Opera in Dresdens Semperoper statt. Generalintendant Hans-Joachim Frey (Bremen) hat zugesagt, dessen Teilnehmer auch 2010 nach Dippoldiswalde zu verpflichten und die Veranstaltung Ausschnitte vom Auftritt in Dippoldiswalde 2009 selbst zu moderieren. Traditionell wird Johannes Wulff-Woesten, der Studienleiter der Semperoper, den auserwählten Belcanto-Nachwuchs begleiten. Termin: Sonntag, 12. September 2010, 16.00 Uhr.

Ausschnitte vom Auftritt in Dippoldiswalde 2009


Mit zehnjähriger Verzögerung ist für Sonntag, den 3. Oktober 2010, 16.00 Uhr Franz Schuberts „Winterreise“ neu geplant. Original für Tenor und Hammerklavier komponiert, wollen sie Marcus Ullmann (Tenor) und Gewandhausorganist Michael Schönheit auch so interpretieren.


Weil die Semperoper beziehungsweise das vorangegangene Interimstheater allzeit eine wichtige Basis der Konzertreihe „Meisterinterpreten im Gespräch“ war, wurde ein weiterer, zugleich für Dippoldiswalde spezifischer Beitrag, aufgenommen. Christof Keymer, Hochschuldozent in Hannover, hier bekannt geworden durch Deutschlandradio „Kultur“, wird am Sonnabend, dem 30. Oktober 2010, 19.30 Uhr im Kulturzentrum Opernszenen am Klavier vorstellen. Die Transkriptionen von Moszkowski, Raff, Kuhlau, Thalberg und anderen werden von Mozart („Don Giovanni“) über die Barcarole aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ bis Wag-
ner („Der Venusberg“, „Isoldes Liebestod“) reichen.


Das klangschöne Positiv mit Pedalen des Musikvereins Dippoldiswalde e. V. soll am Sonnabend, dem 20. November 2010, 19.30 Uhr von Prof. František Vaniček (Universität Hradec Králové) gespielt werden. Sein Duo-Partner: der Solotrompeter der Tschechischen Philharmonie, Jaroslaw Haliř. Die Werkfolge von Gabrieli und Clarke über Albinoni, J. S. Bach, Pachelbel, Händel sowie Vejvanowský bis Charpentier verspricht Abwechslung und Hörgenuß.


Zum Abschluß des Jahrganges soll anläßlich seines 425. Geburtstages des „Vaters der deutschen Musik“ gedacht werden. Die 53jährige Capella Fidicinia Leipzig, ein Ensemble für Alte Musik, das unter Dr. Grüß in der DDR einst eine Vorreiterrolle hinsichtlich der historischen Aufführungspraxis spielte, will am Sonntag, dem 12. Dezember 2010, 16.00 Uhr Heinrich Schützens „Weihnachtshistorie“ aus dem Jahre 1664 zu Gehör bringen. Dr. Krumbiegel, der neue künstlerische Leiter, wird einführen und die alten Instrumente vorstellen. Im weiteren Angebot des Instrumental- und Vokalensembles sind auch bekannte Weihnachtslieder.

Hinter der Truhnorgel: die Sänger des Ensembles


Rückblick

Am Sonntag, dem 17.01.2010, 16 Uhr im Kulturzentrum Dippoldiswalde

Das Schönste von Verdi

Gedanken und Musik zur Ewigkeit - ein Gipfelwerk zur Eröffnung des 32. Jahrgangs von „Meisterinterpreten im Gespräch“


Viel Wahres, Schönes, Ergreifendes hat Giuseppe Verdi (1813-1901) als unerschöpflicher Melodienerfinder uns in seinen Opern hinterlassen.

Wie Wagner suchte er im Sinne des Gesamtkunstwerks zuerst nach der Einheit von Wort und Musik. Während bei Wagner letztlich das Orchester triumphierte, war es bei Verdi in Verbindung mit der Dramatik der Belcanto: der Schöngesang, jener virtuose italienische Gesangsstil, bei dem besonders auf Klangschönheit Wert gelegt wird.

Wie Richard Wagner schuf auch Verdi kaum für andere Genres der Musik. Allein die an Innigkeit und Dramatik kaum zu übertreffende Totenmesse („Messa di Requiem“) wurde zu einem der absoluten Gipfelwerke der Tondichtungen aller Zeiten. In der Form von imposanter Größe und Faktur, wird bei höchstem geistlichem Ernst der liturgische Rahmen gesprengt. Es ist die musikalisch reichste Messe, ein Werk für den Konzertsaal. Dem verstorbenen italienischen Freiheitsdichter Allesandro Manzini gewidmet und schon anläßlich Rossinis Tod 1868 begonnen, hat Verdi vorrangig mit den Stilmitteln der Oper gearbeitet: lyrischen Kantilenen, Ensemble- und Chorformen und dem farbigen romantischen Orchester.

Verdis Totenmesse, von ihm zuerst im Mailänder Markusdom 1874 aufgeführt, lebt gleichermaßen vom Glanz des Klanglichen wie von der Majestät und dem Dunkel des Todesgedankens und der Ewigkeitshoffnung. Daß Verdi aus seinen Empfindungen an Leid und Schmerz, Verzweiflung, auch Trost aktive Handlung machte, hat bis heute staunende Zustimmung und immer mehr Bewunderung ausgelöst. Tiefste Erschütterung steht neben Bitten und Hoffen.

Der Meister der schmelzenden, sanglich-lyrisch geführten Melodielinie, dessen Name zum Symbol des Risorgimento, der italienischen Einigungsbestrebungen (1868 Königreich) wurde, dessen „Nabucco“-Feiheitschor fast jedermann kennt, hat sich als 60jähriger (nach der „Aida“ und vorm „Otello“) mit dieser sphärischen wie dramatischen Musik an alle Menschen gewandt.

Daß wir dieses große Opus in Dippoldiswaldes Konzertreihe „Meisterinterpreten im Gespräch“ zur Eröffnung des 32. Jahrgangs erklingen lassen können, danken wir bulgarischen und österreichischen Freunden, denn die Kosten überstiegen normalerweise allein den Jahresetat. Das Ensemble der bulgarischen Verdi Oper Ruse (in Deutschland auch Russe) vom Unterlauf der Donau gastiert nach wiederholten Auftritten im Salzburger Festspielhaus diesmal u. a. In Amsterdam und Straßburg. Die Programmhefte werden den originalen und den deutschen Text anbieten.

Zwischen 14 und 15 Uhr findet im Kulturzentrum die Fortsetzung des Anrechtskartenverkaufes statt, der sich auch 2010 in Dippoldiswalde ganz besonders rentiert. Beginn ist 16 Uhr. Der Zugang zum Saal ist stufenlos, die Parkplätze rund ums Kulturzentrum sind kostenlos. Einzelkarten gibt es ab 15 Uhr zu 25,- bzw. Ermäßigt 20,- Euro.

Wolfgang Mende

 

Veranstaltung am Sonntag, dem 28.02.2010, 16 Uhr im Kulturzentrum Dippoldiswalde

Pianistische Kostbarkeiten
Elza Kolodin spielt Mazurken und Walzer Chopins

Sensibilität und Leidenschaft wird den zweiten Abend des 32. Jahrganges von „Meisterinterpreten im Gespräch“ prägen. Es wird der Vorabend des 200. Geburtstages von Fréderic (auch Fryderyk, Friedrich) Chopin sein, der in Zelazowa Wola bei Warschau geboren wurde, einem Ort, an dem heute die Chopinpreisträger gekürt werden.
Auch Elza Kolodin emigrierte nach Paris, wo Chopin einst Weltrum erlangte, und gewann viele Preise.
Chopins Herz ruht in Polen. Von dort nahm er einst Heimaterde mit - und wohl auch die Tuberkulose, die zum frühen Ende führte. Seine Mazurken und Polonaisen, die ihn lebenslang beschäftigen, wurden Ausdruck seiner Sehnsucht nac der Heimat.
Paris war damals Künstlertreffpunkt schlechthin, und neben Liszt wurde er zum überragenden Klavierkomponisten und Komponisten, als das Virtuosentum seinen Höhepunkt erreichte.
Die Mazurka, der polnische Nationaltanz im ¾-Takt, beschäftigte ihn lebenslang. Seine stilisierten, leidenschaftlichen oder wehmütigen 58 Mazurken sind in der Aussage Bilder seines Charakters. Elza Kolodin spielt am Sonntag, dem 28. Februar, 16 Uhr eine Auswahl. Im zweiten Teil wird die langjährige Freiburger Klavierprofessorin seine 14 Walzer interpretieren: festliche, zum Teil brillante Konzert-, nicht Wiener Unterhaltungsmusik: glanzvoll oder als vornehm-zurückhaltende Impression.
Schirmherr Dr. Benedikt Holtbernd (Semperoper) wird Frédéric Chopin würdigen.

Karten zu 18,- Euro sowie 15,- Euro für Rentner, Arbeitslose und Azubis sind im Kulturzentrum, in den „SZ“-Treffpunkten, bei den „DNN“ und in allen Dresdner CTS-Vorverkaufsstellen zu haben. Die Parkplätze sind kostenlos, der Zugang ist stufenlos.

Wolfgang Mende

"Es war traumhaft schön - richtig für die Seele." (Hörermeinung)

Veranstaltung am Sonntag, dem 28.03.2010, 16 Uhr im Kulturzentrum Dippoldiswalde


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Fünf Solisten aus vier Ländern

Wenn der Etat einer international besetzten Konzertreihe der Organisation enge Grenzen setzt, ist es gut, wenn der Freundeskreis der Veranstaltungen nicht nur aus dankbaren Hörern besteht, die wesentlich zum Ansehen derselben beitragen, sondern auch viele Künstler im In- und Ausland umfaßt, die sehr gern immer wieder auftreten und gelegentlich auch ihre Kontakte mit ins Spiel bringen.

Einer von ihnen ist der aus St. Petersburg stammende Pianist Arkadi Zenzipér. Weit über zwei Jahrzehnte ist er Dippoldiswaldes Kunstszene verbunden. Als Solist, als Helfer bei der Auswahl des Steinway-Flügels und als Professor bei der Vorstellung von Studenten im Rahmen von Benefizkonzerten (am 2. Mai kommt er in dieser Funktion noch ein drittes Mal) tat er sich hervor. Als die Preisträger des Rubinstein-Wettbewerbes hier spielten, war das auch sein Mitverdienst als Jury-Vorsitzender. Nun ist ihm zum Dresdner Studiendekan Klavier zu gratulieren.

In Schnackenburg an der Unterelbe ist Arkadi Zenzipér künstlerischer Leiter eines von ihm gegründeten Festivals „Schubertiade Schnackenburg“. Einige Exklusivkünstler sind dort alljährlich seine Gäste und werden mit ihm am Sonntag, dem 28.03.2010, 16 Uhr im Kulturzentrum „Parksäle“ Dippoldiswalde berühmte romantische Klavierquintette musizieren. Primus inter pares wird der Geiger Ilja Konowalow sein, der, einst in Nowosibirsk geboren, seit 1997 1. Konzertmeister des Israel Philharmonic Orchestra ist, mit den Moskauer Virtuosen und anderen Kammermusikensembles wie als Solist auftritt.

Von den anderen Professoren muß extra der Moskauer Meistercellist Alexander Rudin eingeflogen werden. Die echte Dresdnerin Frau Unger, Dippoldiswalde wie der Pianist seit längerem herzlich verbunden, ist durch den Dresdner Kammermusikwettbewerb derzeit stark belastet, gab aber in der Vorwoche als solistische Einspringerin im Berliner Konzerthaus einen bejubelten Vivaldi.

Das Programm des internationalen Sächsischen Klavierquintetts für die Anrechtsveranstaltung von „Meisterinterpreten im Gespräch“ wird rein romantischer Natur sein. Werke von Johannes Brahms (f-Moll) und Antonin Dvořák (A-Dur) gruppieren sich um das Es-Dur-Klavierquintett des wie Chopin vor 200 Jahren geborenen Robert Schumann.

Freie Karten zu 20,- Euro und ermäßigt 16,- Euro werden im Kulturzentrum „Parksäle“, zu den Geschäftszeiten, in allen „SZ“-Treffpunkten, den „Dresdner Neuesten Nachrichten“, im Kulturpalast und allen CTS-Vorverkaufsstellen der Region angeboten. Restkarten gibt es am Sonntag, ab 15 Uhr, an der Tageskasse. Der Saalzugang ist stufenlos, die Parkplätze ums Kulturzentrum stehen kostenlos zur Verfügung.

Wolfgang Mende

Der Musikverein bedankt sich für Fotos eines Hörers vom internationalen Klavierquartett am 28. März 2010:

 

Sonntag, dem 25.04.2010, 19.30 Uhr

In „Dipps“ gründet sich ein Salonorchester der Staatskapelle Dresden

„Ist das wahr, daß sich in der Klassik-Reihe ein Salonorchester gründet?“ „Ist das nicht Musik der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts?“ „Spielen die etwa Popmusik?“ „Und das machen wirklich Musiker der Dresdner Staatskapelle?“

Solche und ähnliche Fragen wurden gelegentlich ein wenig mißtrauisch vorgetragen, obwohl man sich einer Enttäuschung kaum erinnern mag …

Sie seien hiermit coram publico beantwortet.

Am Sonntag, dem 25. April 2010, ausnahmsweise 19.30 Uhr, gründet sich auf Bitten aus Dippoldiswalde im Kulturzentrum ein neues Kammermusikensemble der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

„Meisterinterpreten im Gespräch“ empfing im ersten Jahrzehnt mehrfach Musiker, die nicht als „E-Musiker“ eingestuft wurden, aber gute Musik machten. Damals kam die berühmte Chansonette Gisela May, hieß es „Emmerlich contra Dehler“ (eine der ersten Talkshows), gastierte Günter Hörig mit seinem Jazzensemble und war zum 10. Jahrestag eine konzertante „Fledermaus“ mit Operettenstars der DDR sowie dem Opernchor Leipzig zu erleben usw.

Kapellmeister Johannes Wulff-Woesten, dem in Dippoldiswalde gut bekannten Studienleiter der Semperoper, kam beim Blättern in altem Notenmaterial die zündende Idee im Sinne des Wagner-Mottos „Kinder, schafft Neues!“

Mit dem klassischen Salonorchester wird in Dippoldiswalde ein selten gewordenes Instrument erstmals öffentlich vorgestellt: das Harmonium, das den originellen Klang mittragen soll. Die Leitung aber erfolgt vom Klavier aus, und die sogenannte Berliner Besetzung (die größte) erstreckt sich auch auf einige Bläser. Da im letzten Konzert mit großer Begeisterung ein internationales Klavierquintett aufgenommen wurde, sei vermerkt, daß aus dem Klavierquintett sich einst das Salonorchester entwickelte.

Das Ganze wird inhaltlich eine Verbeugung von Sachsens ältester Meisterinterpreten-Reihe vor der 25jährigen dritten Semperoper. Deren Wiedereröffnung hatte diese Veranstaltungsreihe mit „Vorfeld Semperoper“ auch einstmals für Dippoldiswalde vorbereitet. Angeboten werden diesmal besonders schöne Melodien aus den bekanntesten Opern in Form von Potpourris und Fantasien.

Helga Werner, bekannt durch das Staatsschauspiel Dresden, wird zwischen den einzelnen Konzertteilen moderieren und eine phantastische Geschichte von einem gewissen Rat Krespel lesen. (E. T. A. Hoffmann: Liebe und Leidenschaft zur Oper...) Es sollen mithin die beiden am engsten verwandten Künste an diesem Abend wieder einmal vereint werden.

Karten zu 22,- und ermäßigt 18,- € gibt es im Freiverkauf im Kulturzentrum Dippoldiswalde, in allen „SZ“-Treffs, bei den „DNN“, beim „Wochenkurier“, im Kulturpalast und in allen CTS-Verkaufsstellen Dresdens sowie der Region. Schüler und Studenten zahlen bei Ausweisvorlage 6,- €, Musikschüler des Kreises 4,- €. Auskünfte gibt es abends über 03504/614648. Der Saaleingang ist stufenlos, Parkplätze sind kostenlos.

Wolfgang Mende

Nachtrag
zum Konzert am 25.4.2010

Es war so ein bißchen Skepsis bei einigen „absduten“ Klassik-Hörern, als die „Salonorchester“ lasen. Andere zog der Titel an, und sogar die Tagespresse war nach Jahren wieder einmal bei „Meisterinterpreten im Gespräch“ präsent. Na, und was Staatskapellmusiker übernehmen, wird sowieso mit Weltniveau vergoldet. Die Begeisterung schien am Ende ungeteilt, wozu auch Helga Werners Ausstrahlung vom roten „Fledermaus“-Plüschsofa (Hoffmann-Lesung und Moderation der Staatsschauspielerin) beitrug. Zu hören waren Fantasien und Potpourris, kurz: verknüpfte Ausschnitte aus bekannten („La Traviata“, „Carmen“ etwa) und seltener gespielten Opern („Tiefland“ z. B.). Erstmals erklang in der Konzertreihe das Harmonium. Besonders hervor taten sich Trompeter und Posaunist in der Berliner Besetzung für Kammerorchester mit ihrem weichen Klang und geradezu traumhafter Intonation. Das war für diesen Saal mehr als ein Abglanz des ersten Opernorchesters.

Ein Raunen entstand, als der Herr Kapellmeister im weißen Frack erschien: Studienleiter Johannes Wulff-Woesten von der Semperoper, seit Jahren der hilfsbereite und zugleich vielseitigste Mitstreiter des langjährigen Leiters der Konzertreihe.

Daß in Dippoldiswalde noch einmal „Lohengrin“-Musik erklingen würde und welchen Glanz die wenigen Streicher unter Konzertmeister Jörg Faßmann entfalten könnten, hatte wohl niemand im Saal erträumt.
Der Musikverein hatte den Kreischaer Karikaturisten und Schnellzeichner Falk-Ingo Renner eingeladen, dem es zum 20. Jahrestag der Konzertreihe blendend gelungen war, die 12 Cellisten der Sächsischen Staatskapelle zu porträtieren. Sein Eindruck von der 1. Reihe ist oben wiedergegeben. Jeder Künstler bekam nach dem Konzert eine Ablichtung.

Was da allerdings über den Schwan, Lohengrin und Gottfried zu lesen war, entsprach nicht den Fakten. Über der Bühne hing neben Beckmesser-Laute und Tannhäuser-Harfe der blutende „Parsifal“(!)-Schwan, den der „thumbe Thor“ Parsifal erschoß. Und wer mit Interesse in der Pause die verschiedensten Semperopern-Requisiten betrachtete – eine großartige Idee des Dresdner Kapellmeisters –, war dem Gral ganz nahe. Der leuchtete zwar nicht auf, aber es war ein freudiges Strahlen ob des Ereignisses dieser Neugründung in den meisten Gesichtern und, wie zu erfahren war, viel Gesprächsstoff in Dresdens heiligem Musentempel.

-de

Sonntag, dem 02.05.2010, 16.00 Uhr

Alljährlich legt die Reihe „Meisterinterpreten im Gespräch“ während der Dresdner Musikfestspiele und des Dixieland-Festivals eine Konzertpause ein. Daß die Dresdner Kulturseiten sie hinsichtlich Vorschauen und Rezensionen seit Jahren totschweigt, kann nicht beirren.

Vor der Festspielzeit bittet der Musikverein die Hörer der Konzertreihe zum Benefizkonzert. Wenn sich dafür abermals Studenten und Absolventen des Dekans der Dresdner Klavierabteilung, Prof. Arkadi Zenzipér, kostenlos zur Verfügung stellen, bleibt zu hoffen, daß das hochgelobte und wohl allzeit zufriedene Publikum sich geschlossen zu den „Meisterinterpreten von morgen“, die in Dippoldiswalde ja allzeit gefördert wurden, und zum Musikverein, der vergeblich um neue Mitglieder wirbt (Jahresbeitrag für Rentner 32,- Euro; keine Pflichten) durch Anwesenheit und einen angemessenen Obolus bekennt. (Ein Kinobesuch in Dresden kostet einen Einheimischen heute mehr als 10,- Euro!)


Wie erst letzte Nacht bekannt wurde, werden zum Benefizkonzert zehn Absolventen, Preisträger und Studenten Prof. Zenzipérs auftreten und eine Fülle von Werken darbieten. Auf dem Programm stehen neben Ausschnitten aus Schumanns „Kreisleriana“ und „Carnaval“ sowie den „Waldszenen“, „Etude Tableaux Nr. 5“ Rachmaninows, eine Etüde, eine Sonate und zwei Walzer Chopins sowie Liszts „La Campanella“. Von Mozart über Ravel wird das Programm bis hin zu Préludes von Olivier Messiaen mit Vielfalt und Breite des Angebots jeden Liebhaber der Klaviermusik erfreuen.

 

Der Musikverein Dippoldiswalde e.V. hat in den fast vierzehn Jahren seines Bestehens nicht nur vier Instrumente angekauft. Er bezahlt Reparaturen und Versicherungen. Geschenke für die Bereitschaft, zu Niedriggagen zu gastieren, u. v. a. m.

Die jungen Künstler werden vor allem Werke von Robert Schumann (am 8. Juni: 200. Geburtstag), Rachmaninow und Prokofjew interpretieren, dabei mit solchen der russischen Meister eine Lücke in den Angeboten schließen. Der Professor wird moderieren.

Wolfgang Mende

Das Konzert mit den Studenten von Professor Arkadi Zensipér war hervorragend, und ich hatte den Eindruck, daß alle Zuhörer dieser Meinung waren. Da können Sie stolz sein.
(Hörerin aus Bautzen)

Chopin: Nocturnes

Ein Sommerabend mit klavieristischem Belcanto

Ihre grandiose Technik ist hier über allen Zweifel erhaben; ihre Anschlagskultur ebenso. In Belgien und Holland wie im pianistisch verwöhnten Rußland weiß man sie besonders zu schätzen. In der Schweiz und in Dippoldiswalde fühlt die sich zu Hause. (Sie drängt sich nirgends auf, verzichtete auf eine Agenten-Karriere.)
Diesmal gab die brasilianische Professorin aus Antwerpen bei „Meisterinterpreten im Gespräch“ die wichtigsten Chopin-Nocturnes. Da war im ersten Teil des Abends manch bekanntes und beliebtes Stück zu hören, etwa das B- und Des-Dur-Notturno. Stimmungsvolles dominierte: Melodik, leise Töne, Klänge voll harmonischen Duftes. Man hörte die erwarteten Arpeggios, die Weitgriffigkeit, die Schleifer zwischen den markanten Kerntönen. Zwar neigt man bei den großen Pianisten zum Beobachten und Vergleichen, aber das trat wie das Sinnieren über Inhalt und Form merklich zurück. Der Zauber der Klänge (Fis-Dur-Nachtstück!) konnte an diesem warmen Frühsommerabend zum Träumen verleiten.
Eliane Rodrigues vermag urplötzlich zu beschleunigen, ist jäher Stimmungswechsel und ekstatischer Ausbrüche fähig, blieb aber diesmal eher verhalten, vermittelte Melancholie, Zartheit, harmonische Farben, erschien obendrein feengleich in einer adäquaten Kreation von festlichem Kleid. Der abgedunkelte Saal (Mitschnitt des Gatten) tat ein übriges.
Man muß zu alldem wissen, das Eliane Rodrigues für eine heutzutage bescheidene Gage das Rezital extra für das „Dippser“ Publikum einstudierte. Wer macht so etwas schon?. Die Künstler üben im Regelfalle ein spezielles Programm ein, das fürs laufende Konzertjahr als Angebot gilt. Vermutlich gibt es außerdem kaum eine Stadt in Deutschland, die so kontinuierlich und systematisch über lange Jahre das nahezu vollständige Werk Chopins genreweise anbot. Es ist Vielfalt der Komponisten mit diversen „Rosinen“ und gelegentlich etwas Ausgefallenem üblich.
Der dramaturgische Aufbau der Nocturne-Veranstaltung führte nach der Konzertpause auch zu einigen episch-balladesken Interpretationen allgemein unbekannterer Piecen, die wohl über die dynamischen Absichten und Möglichkeiten des kranken Salonpianisten und Meisters der abgestuften Pianissimos hinausgingen. Frau Rodrigues fand aber schnell zum singenden klavieristischen Belcanto zurück und endete mit dem nachgelassenen cis-Moll-Nocturne in reizender Dezenz.
Wie solche Erlebnisse hinsichtlich der phänomenalen Gedächtnisleistungen erbracht werden, fragt man sich ohnehin zu selten... Eine Zugabe wäre unpassend gewesen. Das Publikum verstand das und applaudierte gewohnt herzlich.
Um das Interesse an Chopin und seinem Werk zu vertiefen, war kurzfristig erneut die Dresdner Staatsschauspielerin Helga Werner geladen. Sie las vor der Pause von Harold C. Schonberg Interessantes und Wichtiges zum Komponisten als Mensch, Musiker und Lehrer. Ihr überzeugender Vortrag ließ ein charakreristisches Bild entstehen.
Eliane Rodrigues ist noch ein fünftes Mal nach Dippoldiswalde eingeladen: mit Tochter Nina, noch Studentin in Antwerpen. Das Duo wird für „Meisterinterpreten im Gespräch“ vorbereiten, was in Anbetracht der Jahrzehnte fehlte, vor allem Grieg und Gershwin. Jetzt geht sie erst einmal nach Saas-Fee, um mit der St. Petersburger Philharmonie, dem bedeutendsten russischen Orchester, bei „Musica Romantica“ (8.-20. August) als Pianistin und Dirigentin zu agieren.

Wome

In langen Jahren ist mit unverhohlener Vorliebe das Wesentliche von Chopin in der Konzertreihe „Meisterinterpreten im Gespräch“ erklungen. Das letzte Kapitel der Dauer-Würdigung des phänomenalen Komponisten und Pianisten wird in einer hoffentlich lauschigen Nacht vor Sommerbeginn und Johannistag aufgeschlagen: am Sonnabend, dem 12. Juni 2010, 19.30 Uhr im Kulturzentrum „Parksäle“. Seine „Nachtstücke“ (Nocturnes, Notturnos) sollen erklingen. Nächtliche Stimmungen erregten die Phantasie der Romantiker und inspirierten so am Klavier, wie etwa in der Klassik Serenaden entstanden.
Zum dritten Male wird die temperamentvolle Brasilianerin Eliane Rodrigues in Dippoldiswalde erwartet. Sie ist nicht so unnahbar wie einige große Namen der Agenturen-Elite. Sie ist Hausfrau und Mutter (die Tochter, angehende Pianistin, wird sich hier vielleicht noch als Duo-Partnerin vorstellen), Pianistin und Professorin (Antwerpen) und künstlerischer Mittelpunkt (auch als Dirigentin und Komponistin) des Festivals „Musica Romantica“ in Saas-Fee, das sich durchaus nicht hinter Verbier, Gstaad, Lenk, Sitten oder Ernen verstecken muß. Ihr Glück ist immer an ihrer Seite: ein belgischer Unternehmer mit pianistischen und musikwissenschaftlichen Voraussetzungen und dem nötigen Organisationstalent – und mit Gespür dokumentiert er das Wesentliche. Wir haben das Glück, daß sie auf die Sonderwünsche trotz unserer bescheidenen Möglichkeiten reagiert. Hoffen wir, daß sie auch diesmal die Herzen der Hörer berührt!

Helga Werner vom Staatsschauspiel Dresden wird vor der Pause einiges Interessante über Chopin vortragen.

Karten für diese Anrechts-Veranstaltung sind zum Preise von 18 bzw. 15 Euro im Kulturzentrum Dippoldiswalde erhältlich bzw. mit Adresse bestellbar über 03504/612448 (Ferndruck: 612449) oder E-Mail: kulturzentrum@dippoldiswalde.de. Sie werden auch in den „SZ“-Treffs, bei den „DNN“, im Kulturpalast und allen CTS-Vorverkaufsstellen angeboten. Der Saalzugang ist stufenlos, Parkplätze sind am Wochenende kostenlos. Auskünfte zu den Konzerten erhalten Sie abends auch beim Musikverein Dippoldiswalde e. V. Über 03504/614648.

Wolfgang Mende